Irgendwann in der Mitte der 70er Jahre saß Brian Eno für Stunden am Köln Bonner Flughafen fest. Genervt von der phantasielosen Hintergrundmusik aus den Lautsprechern entstand in der Wartehalle die Idee für "Music for Airports", das berühmte erste Ambientwerk des Musikers und Zukunftsforschers. Genau an diesem Ort, dem Kölner Flughafen, über den Eno sich so aufgeregt hatte, entstand rund 30 Jahre später das erste komplette Sounddesign für einen Airport. Vom Gong, über die Telefonwarteschleife bis hin zum Fahrstuhl. Das ganze phantasievoll, angenehm und modern, komponiert von zwei jungen Kölner Musikproduzenten mit dem Namen plus49 (die Vorwahl Deutschlands). Der Gong ist ein Hit. Rund 50 Millionen Passagiere, Piloten und Stewardessen hörten den viersekündigen Sound mit dem putzigen Namen "Happy Sky" seit Sommer 2003. Die Sounddesigns für den Aiport gipfelten in einem plus49 Album mit wunderbaren leichten Popsongs mit dem Titel "All the Beautiful Things", das die Band weltweit ins Radio katapultierte. Nicht im Formatradio, sondern in feine Liebhabersendungen in Deutschland, Frankreich, den USA und sogar bis nach China.
Plus49 haben ein Händchen dafür, unbekannte Sängerinnen mit wunderbaren Stimmen an die Oberfläche zu spülen, ein Händchen für skurrile Videoclips, die im Verborgenen ihren Charme ausspielen. Plus49 sind Leisetreter, die sich auf ihren Covern lieber von Models vertreten oder im Matrosenanzug auf einem Fischkutter zeichnen lassen.
Für 2008 haben plus49 nun kräftig aufgerüstet. Eine feste Band begleitet nun die beiden Musiker auf der Tour, die alle Möglichkeiten der Livepräsentationen ausloten will. Club-, aber auch Kino- und Theaterkonzerte stehen auf dem Programm. Im Mittelpunkt steht das neue Album "Hymn Without Country". Der Titelsong spiegelt genau die Situation wieder. Er erzählt die Geschichte von jemandem, der jeden Morgen an einem anderen Ort, als andere Persönlichkeit aufwacht. Am Abend ist er so unzufrieden, dass er sich in eine neue Parallelwelt träumt. Auf der Tour werden plus49 ein Jahr lang immer wieder eine neue Tür aufschlagen. Kein Konzert wird wie das andere, alles darf passieren. Parallelwelten sind auch das große Thema des neuen plus49 Albums. Erstmals ist der Gesang bei plus49 durchweg männlich, frei von klischeehaften Machoattitüden. Die Geschichten von Verlust, Älterwerden und Verlorenheit musste die Band einfach selbst erzählen und singen. "Hymn Without Country" ist dabei ein ungemein tiefes und bewegendes Album. Plus49 haben diesmal alle möglichen Farbschichten in ihren Songs aufgetragen, die durchweg sehr melancholisch sind. Im Zentrum stehen federleichte einfach Pianomelodien, umhüllt von delayten Gitarren und weichen Synths, die alle die Aufgabe haben - auf Platte, wie im Konzert - den Hörer in die Wall of Sound zu ziehen.
Plus49 haben mit Brian Eno nicht nur den Traum vom perfekten Sound an Flughäfen gemein. Sie sind beide ständig auf der Suche nach ihrem eigenen System. Ein System, in dem Musik aus sich heraus funktioniert und sich nicht nach Trends richtet oder an Märkten orientiert.