Ein glorioser Refrain, den man, einmal gehört, nie wieder aus den Gehörgängen be¬kommt. Ein nicht weniger auffälliger, mächtiger Beat, der klingt wie eine Reminiszenz an die energischsten Zeiten von Phil Collins. Dazu die herzergreifende Geschichte einer großen Liebe, die nicht sein darf. Kurzum: ein Lieblingslied. „Morning Belle“ ist die neue Single des Berliner Elektropop-Duos NAOMI, so typisch eigenwillig wie zwingend hitverdächtig, ein lautstarker Vorbote des im Juli 2010 erscheinenden Albums "The Big Shapes".
Naomi waren bisher für ihren Hang zur sanften Melancholie bekannt, aber diesmal scheinen die Songwriter und Soundbastler Lechler und Tobias alle noble Zurückhaltung über Bord geworfen zu haben: Wie „Morning Belle“ klingt das ganze neue Album wilder, knalliger, schärfer, es oszilliert zwischen spartanisch und opulent, Schwarzweiß und Farbe, Spaß und Tiefsinn, Pop und Prog - eine Wundertüte und ein großer Wurf.
International sind die Qualitäten von Naomi nach vier Alben längst kein Geheimnis mehr: Das britische Starproduzenten-Team Xenomania (Pet Shop Boys, Sugababes) bat die Berliner kürzlich um ein Sample (und bekam es auch), der drei Jahre alte Naomi-Track „Needle On The Record“ ist ein konstanter Seller im US-iTunes Store, und auf ihren Myspace- und Facebook-Seiten finden sich Liebeserklärungen von Fans aus Russland bis Mexico und Texas bis Taiwan. Dass sie in Deutschland ungeachtet der regelmäßig begeisterten Kritiker von SZ, FAZ, Intro, jetzt.de oder Rolling Stone immer noch als Geheimtipp gelten - das mag verstehen, wer will. "The Big Shapes" könnte es ändern. „Morning Belle“ macht den Anfang.