Matias Aguayo ist eines dieser raren Talente, die wirklich aus reiner Liebe zur Musik Musik machen. Kompakts langjährige Liebesgeschichte mit dem in Deutschland aufgewachsenen Chilen reicht zurück in das Jahr 2000, als er mit Dirk Leyers als Closer Musik für Furore sorgte. Obwohl das Projekt drei Jahre später auseinander brach, bleiben das Album "After Love" und allen voran die Single "1,2,3... No Gravity" bis zum heutigen Tage Meilensteine der Labelgeschichte, denen die Zeit nichts anzuhaben vermochte. Wieder solo unterwegs, spürte Matias den starken Drang, die festgeschriebenen Regeln von Techno weiter über Bord zu werfen, um einen gänzlich eigenen, organischeren Sound zu entwickeln. Als Zeugnis dieser Veränderung steht das 2005 erschienene Album "Are you really lost" und etliche Singleveröffentlichungen, auch auf dem britischen Vorzeigelabel Souljazz.
In 2008 kehrte Aguayo mit zwei 12" Hits zurück in das kollektive Gedächtnis der Clubwelt: "Minimal" (mit dem kogenialen DJ Koze Remix), sein grandioser Abgesang auf das Genre, das auch ihm über ein Jahrzehnt Heimat war, sich jedoch durch die zunehmende Ibizaisierung mehr und mehr zu einer Groteske seinerselbst entwickelte. Dann kam mit "Walter Neff" ein weiterer Beweis, dass Matias Aguayo durchaus in der Lage ist, der Clubmusik die Aufregung und Sexiness zurückzugeben, die so dringlich gebraucht wird.
Ausgedehnte Aufenthalte in Südamerika inspirierten ihn zu sein Nomadentum weiter zu kultivieren und dem Netzwerk von befreundeten Künstlern die er dort antraf, eine Platform zu schaffen: Das Label Cómeme wurde geboren und in jeder grösseren Stadt von Feuerland bis Mexico wurden Streetparties organisiert. "Bumbumbox" nennt sich diese Art von Flashparties, befeuert mit einem eklektischem Mix aus Techno, Chicagohouse und lateinamerikanischer Tanzmusik jeglicher Couleur. Als Soundsystem fungiert ein Rudel Ghettoblaster, die Tanzfläche kann überall sein, am liebsten auf belebten Grossstadtplätzen.
Nun liegt Matias Aguayo's zweites Soloalbum auf Kompakt vor. "Ay Ay Ay" wurde in Bueno Aires und Paris mit Vicente Sanfuentes (Original Hamster) aufgenommen und in Berlin mit Aguayo's langjährigem Wegbegleiter Marcus Rossknecht (of Broke fame) abgemischt. Matias hat ein völlig unklassifizierbares Werk aufgenommen, das aufgrund seiner unkonventionellen Art konstant überrascht und fordert. Gleichzeitig ist jeder Song mit einer unglaublichen Catchiness ausgestattet, die den Hörer mit offenem Mund zurücklässt.
Auf "Ay Ay Ay" kamen fast keine "echten" Instrumente zum Einsatz, statt dessen setzen sich die Arrangements aus zig Aufnahmen von Matias' Stimme zusammen. Das sensationelle dieser Platte besteht darin, dass man nach den ersten paar Takte schlichtweg vergisst, dass es sich um ein Accapella-Album handelt. Wir dürfen mit Stolz behaupten, dass Aguayo mit seinen Mitstreitern ein echter Geniestreich gelungen ist. Es wäre ein klares Understatemen, "Ay Ay Ay" ambitioniert zu nennen - wir können mit Stolz behaupten, dass wir es hier mit Musik zu tun haben, die man so noch nicht gehört hat. Das Crossoverpotential geht gen unendlich... Hier sind wirklich alle eingeladen - genau wie bei seinen Bumbumbox Strassenraves.