Wenn es eine Band gibt, die mit allen Vorurteilen gegenüber handgemachtem Techno aufräumen kann, dann ist es das Wiener Trio Elektro Guzzi. Die selbsternannte "Techno-Tanzband" hat ihren Ansatz auf dem zweiten Studioalbum noch einmal radikalisiert und behandelt diesmal jedes einzelne Instrument als Quelle für Tonspuren, deren Funktion völlig beliebig ist. Sprich: Jeder Ton kann als Beat, Fläche oder sonst was herhalten, ganz egal, wer ihn gerade erzeugt hat. Das Schönste daran ist, dass die Musiker an Gitarre, Bass und Schlagzeug dazu nicht das mühselige Verfahren wählen mussten, ihre Aufnahmen nachträglich am Computer zu bearbeiten. Alles, was man auf "Parquet" hört, wurde von Produzent Patrick Pulsinger sozusagen live auf Tonband fixiert. Trotz des verfremdenden Verfahrens kann man die ursprünglichen "analogen Tonerzeuger" immer wieder heraushören, vernimmt hier mal eine Gitarre, da einen Bass und selbstverständlich auch das Schlagzeug. Dass man sich aber bei den weniger eindeutigen Signalen nicht so sicher sein kann, woher sie stammen, macht einen weiteren Reiz der Platte aus. Und ja, tanzen kann man dazu ebenfalls.
De:Bug
Mehr davon! war unsere Bitte in 2010, als das erste Album der Wiener Technoband Elektro Guzzi in unsere Finger geriet. Dieser Bitte wird nun in Form des zweiten Studioalbums "Parquet" endlich nachgekommen. Auch beim zweiten Streich des Dreiergespanns sind die von der Faszination, wie autark Techno sein kann, geprägten großen Augen und offenen Münder so präsent wie die Skepsis bei synchronisierten DJ Sets. Denn das, was Elektro Guzzi mit ihren teils präparierten Instrumenten (Gitarre, Schlagzeug, Bass) soundtechnisch auf die Beine stellen, konfrontiert rein digitales Equipment mit essentialistischen Fragen. Im Gegensatz zum Vorgängerwerk vertieft "Parquet" verstärkt die Techno-Idee und entfernt sich zugunsten eines noch homogeneren Klangbilds von den zuvor sehr präsenten Rhythmuspatterns. Die Instrumente werden diesmal noch stärker aus den Angeln ihrer traditionellen Rolle und Funktion gehoben, um lediglich die Herkunft der Bassdrum verortbar zu machen und damit zwangsläufig das ganze "wie und warum" verdammt weit hinten anzustellen. "Parquet" bittet um den nächsten Tanz. Darf aber auch nur gehört werden.
Spiegel Online